Gedanken zur Cloud von 2006

28. Mai 2013, 07:26

Ich bin letztens über eine alte Hausarbeit von mir aus dem Jahr 2006 gestolpert. Der Titel: “Daten ins Netz! Wie das Internet der Festplatte Konkurrenz macht”. Heute würde das wohl “Daten in die Cloud” heißen. In der Hausarbeit hatte ich zwei Szenarien beschrieben, wie wir in Zukunft vielleicht unsere Daten verwalten werden. Beim ersten Szenario muss ich sagen: Punktlandung! Beim zweiten: Kommt noch :) Nur dass Google das meiste davon kostenlos bereitstellen würde, das wäre mir wohl im Traum nicht eingefallen.

Szenario 1:
Hans Meier hat seine 400-GB-Festplatte und seinen USB-Stick bei eBay verkauft. Er hat sich einen Account bei Google eingerichtet. Dieser erlaubt ihm eine nahezu beliebige Speicherkapazität, ähnlich wie bei Google Mail. Er muss für diesen Account bezahlen, um ihn voll nutzen zu können, aber das nimmt Herr Meier gern in Kauf. Schließlich fallen für ihn zahlreiche andere Kosten weg. Textdokumente und Präsentationen für seine Firma erstellt er jetzt mit den entsprechenden Anwendungen, die Google über das Netz anbietet, teilweise auch gemeinsam mit Firmenkollegen. Dafür kann er ihnen einen zeitlich begrenzten Zugriff auf die entsprechenden Dokumente gewähren. Google speichert seine Daten mit Meta-Informationen ab, sodass Meier auf seinem Online-Speicher alle Daten schneller wieder findet als vorher auf seiner Festplatte. Leiht er sich bei Google Books ein Buch aus, so ist dies zeitbegrenzt in seinem Account verfügbar, genauso wie seine Lieblings-Tageszeitung, die er abonniert hat, die neue Coldplay-CD und verschiedene Filme, für die er eine lebenslange Lizenz besitzt. Diese Daten sind nicht wirklich auf seinem Account gespeichert, sie liegen auf dem Server der Hersteller. Aber wenn Hans Meier sie über seinen Account benutzt, verhalten sie sich wie dort abgelegte Dateien. Er kann sie öffnen, er kann Textstellen oder Filmsequenzen markieren und für die nächste Party einen Musik-Mix erstellen. Wenn Meier nach Seattle fliegt, um dort seine Firmendaten vorzustellen, dann kann er seine Präsentationen im Flugzeug über ein im Sitz eingebautes Panel noch einmal überarbeiten (Laptops sind wegen der Gefahr von terroristischen Anschlägen auf Flügen inzwischen verboten) und in Seattle direkt über den Beamer, der einen Internetzugang besitzt, abrufen. Er braucht auf seiner Dienstreise eigentlich nicht einmal mehr seinen Laptop. Was Hans allerdings nicht weiß: Ein Hacker der Konkurrenzfirma Suxessor versucht schon seit einigen Wochen, sein Account-Passwort zu knacken.

Szenario 2:
Tim Meier freut sich auf das Wochenende. Sein Vater ist in Seattle, und Tim hat mehrere Freunde für eine LAN-Party bei sich zuhause eingeladen. Früher war das immer kompliziert, weil alle ihre Rechner hin- und herschleppen mussten. Heute aber nehmen sie in einem Rucksack ihren ultraleichten Bildschirm, ihre Maus und ihre Tastatur mit. Gespielt werden soll diesmal der gerade erschienene Ego-Shooter Quarterlife III. Früher hätte Tim das nicht spielen können, der Rechner von seinem Vater war gerade mal ausreichend für Büroarbeiten ausgestattet. Am Wochenende aber wird Tim sein angespartes Taschengeld dazu verwenden, einen von seiner Lieblings-Computerspiele-Zeitschrift beworbenen Superrechner mit einer High-End-Grafikkarte für 48 Stunden zu mieten. Dazu benutzt er seinen Online-Account, auf den sein Vater regelmäßig Taschengeld überweist. Das neue Spiel kann er gleich dazumieten. Sein Bildschirm und die Eingabegeräte sind mit dem Internet verbunden. Er gibt die IP des gewünschten Rechners ein und seine Account-Daten, und ab sofort ist er mit dem Superrechner, der in einer Serverfarm in Russland steht, verbunden. Bewegt er seine Maus, werden diese Eingaben über das Internet an den Rechner in Russland gestreamt, und zurück wird die Ausgabe an den Bildschirm gesendet. Da ihn der Account als unter 16 ausweist, sind bei ihm im Spiel alle Gegner als Roboter dargestellt, statt Blut fließt Öl. Sein bester Freund Maik dagegen hat seinen Account gehackt, weswegen er dort als 21-Jähriger ausgewiesen ist. Er spielt mit echtem Blut.

Die komplette Hausarbeit als PDF: ha_cms_barczok.pdf

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