Ich bin schon über 20, und es steht mir ja eigentlich gar nicht zu, über die Games-Convention-Besucher von heute zu schimpfen, schlie߸lich sind die die Zielgruppe und nicht ich. Aber: Die Horden der Kids nerven. Früher, ja früher, war alles besser.

Als ich noch selbst ein junger Spund war, da waren Gamer blass, hatten fehlfarbene Pullis an und hie߸en nicht Gamer sondern Computerspieler. Spielen hie߸ zocken und nicht daddeln. Gemeinsam Spielen hie߸ LAN-Party und nicht eGames-Clan.

Der Gamer von heute, so haben meine Recherchen bei der GC ergeben :-), lässt sich in vier Kategorien einteilen.

Die Coolen

Goodies for the Crowd at the GC
Wer laut schreit, bekommt einen Schlüsselanhänger.

Computer Spielen an sich hat in den vergangenen beiden Jahrzehnten einen positiven Aufschub erfahren. Gamer sind die Zukunft, es sind die Menschen, die den elektronischen Neukram, die Computer, die Macs, die iPods beherrschen. Dabei handelt es sich um einen Trugschluss. Während wir damals noch unsere Rechner selber zusammengebastelt, Spiele mit Hexeditoren manipuliert und Viren per Diskette weitergegeben haben, schaffen es die Gamer von heute gerade mal, über Bittorrent Filme zu laden und mit virtuellen Rohrzangen auf Zombies einzuschlagen.
Dennoch sind Gamer ja so cool, tragen T-Shirts mit der Aufschrift “I will not fix your computer” oder “Mama, mache mir ne Pizza” und rei߸en sich um billige Werbegeschenke, die auf der Messe verteilt werden.

Need for Speed
Need for Speed die Elfte, das klingt innovativ.

Sie lassen sich über den Tisch hauen von Spieleherstellern, die jedes Jahr aufs Neue alten Wein in neue Schläuche kippen. Halo 3, Erweiterungen zu Command and Conquer 3, Fifa 08, Need for Speed 11 (!!!!), Fortsetzungen der Fortsetzungen der Fortsetzungen. Aber halt, die sind natürlich trotzdem innovativ und klasse, die Grafik ist doch jetzt viel toller, z.B. die Äste der Bäume, die 100m Entfernung entfernt sind, bewegen sich jetzt auch ganz natürlich im Wind. Gut, ich muss 500 Euro für eine neue Grafikkarte und 200 Euro für Windows Vista wegen DirectX 10 löhnen, aber das mit den Ästen ist doch krass! Ja, die Gamer von heute sind richtig cool.

Die Skater

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Yo, chillen und so, voll fett.

Eine Stufe cooler als die Coolen sind: Die Skater. Die Skater trieben sich früher auf irgendwelchen Spielplätzen oder in abrissfertigen Industriehallen rum, wo sie ungestört beim Skateboardfahren in stundenlanger akribischer Arbeit auf die eigene Fresse fliegen konnten. Heute bevölkern sie die Games Convention und geben sich dort ihre “Props”. Und das Schlimmste: Der Superstar der Messe war Oberskater Tony Hawk, der am Pressetag seine Runden drehte.

Die Gothics

Kaum zu entziffernde, skandinavische Speed-Death-Goth-Metal-Band-Namen auf dem T-Shirt, schwarzer Lippenstift und langes Haar. Leipzig ist die Hauptstadt der Gothics, und deswegen war es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis die Jungs und Mädchen mit den langen schwarzen Mänteln auch die Games Convention in dunkle Farben hüllen würden. Vermutlich angezogen durch Vampir-Hack-and-Slay und Online-Trolle-Kloppen verbreiten sie den erdigen Geruch von Patchouli inzwischen auch in den Messe-Hallen. Immerhin sind sie aus der neuen Gamer-Generation die Gruppe, die am wenigsten Lärm macht und einen auf der Messe meistens in Ruhe lässt.

Die Mädchen

Mädchen auf der GC
Spielen in rosa.

Die Konsolen- und Spiele-Hersteller haben es geschafft. Jahrelang probierte man von Ponys bis Sims alles, um mit auf Stereotypen aufbauenden Spielkonzepten (meine Tierklinik, My Boyfriend, Ponyfriends) dem weiblichen Teil unserer Gesellschaft das Daddeln schmackhaft zu machen. Die Games Convention in diesem Jahr war Beweis genug: Mädchen spielen Computerspiele! ß“berall scharen sich die Zahnspangenträgerinnen vor Pony-Pflege-Simulationen und Nintendogs, schütteln die wiimote oder lassen sich on- wie offline schminken.

Singstar #2
Singstar auf der GC: Blamieren 2.0.

Aber am Schlimmsten sind die Stände, an denen die Teenies, die meinen, singen zu können, ein Mikro in die Hand gedrückt bekommen. Jeder Messeaussteller, der etwas auf sich hält, hat mindestens eine Playstation mit Singstar (früher hie߸ das ja noch Karaoke) im Repertoire, und die Mädchen rei߸en sich um die Mikrofone. Wenn sie wenigstens nur Avril Lavigne und Christina Aguilera durch die Hallen krächzen würden, fände ich es ja nicht so tragisch. Aber Rock Band sei dank muss ich mir von Foo Fighters bis Nirvana alles kaputt singen lassen, was unserer Jugendhelden Dave Grohl und Kurt Cobain in die Welt gegröhlt haben.
An dieser Stelle möchte ich übrigens allen Jungs mein herzliches Beileid aussprechen, die auf der Games Convention von ihren Freundinnen zum Singstar-Mitsingen gezwungen wurden. Und das waren nicht wenige.

Gaming ist “in”

Touch
Für jeden Besucher eine passende Daddel-Station.

Eigentlich, wenn ich es mir recht überlege, ist das alles gar nicht so schlimm. Dass Computerspiele heute so verschiedene Gruppen faszinieren, bedeutet nichts anderes, als dass Spielen endlich “in” ist. Computerspieler sind keine Randgruppen mehr, killerspielspielende Soziopathen und blasse Stubenhocker. Der PC und die Konsole sind Massenmedien, ein nicht mehr wegzudenkender Teil unserer Gesellschaft. Und da muss ich dann wohl drüber hinwegsehen, dass es inzwischen für jeden Depp das passende Spiel gibt.

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Atari Lynx

25. Juli 2007, 23:05

Meine Brüder und ich durften damals keinen Gameboy haben. “Sowas wär’ schlecht für uns”, meinte mein Papa. So ein billiges Schwarzwei߸-Bildschirm-Dingens. Nein, wir hatten damals den Atari Lynx. In Farbe!


(by Joachim S. Müller, Bild bei flickr)

Der Atari Lynx war etwas sperriger als der Gameboy, dafür hatte er einen weit grö߸eren Coolness-Faktor. Schade nur, dass man nie mit jemand über die Spiele reden konnte, wir waren die Einzigen in der Schule, die den Lynx hatten.
Ich habe die letzten Jahre immer wieder bei ebay geschaut, ob es noch funktionierende Geräte zu kaufen gibt, aber nie was gefunden. Jetzt habe ich immerhin einen Lynx-Emulator im Netz aufgetrieben und auch die Spiele von damals.
Meine Favoriten: California Games und Scrapyard Dogs.

Links:

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Ein Meisterstück für mediale Verblendung und Verschwendung von GEZ-Gebühren in zwei Akten.

Da zeigt das heutige heute-journal einen Beitrag zur “Killer”-Spieldebatte, der im Gesamtfazit die Aussage trifft: Wer die Schuld auf die sogenannten “Killer”-Spiele schiebt, der macht es sich zu einfach. Als Experten treten zum Beispiel auf: Christoph Klimmt vom IJK Hannover, Winfried Kaminski von der FH Köln oder Michael Trier von der Gamestar.

Nach diesem Beitrag dachte ich mir: Da bin ich doch froh, die Öffentlich-Rechtlichen haben sauber recherchiert, ein guter Beitrag, hätte ich nicht gedacht.

Dann eine halbe Stunde später die Tagesthemen auf ARD. Dort ist die Aussage: Computerspiele sind schlimm, sie fördern Gewalt, wahrscheinlich können wir aber nur wenig dagegen machen. Es treten Menschen auf wie Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (übrigens laut seinem Lebenslauf leidenschaftlicher Sportschütze, was nicht im Beitrag erwähnt wird aber durchaus interessant ist in Hinblick auf die Debatte), ein Sprecher von Spielehersteller electronic arts , der mit recht laschen, die Branche verteidigenden Kommentaren gezeigt wird, und als Höhepunkt: Ein Kommentar von Norbert Carius vom Saarländischen Rundfunk. In seinem Kommentar sagt Robert Carius, er spiele nicht Videospiele, weil er um ihre Gefährlichkeit wisse. Damit meldet sich jemand zu Wort, der erstens zugibt, keine Ahnung von Computerspielen zu haben, und zweitens nicht einmal eine Unterscheidung zwischen gewaltverherrlichenden Spielen und allen anderen Spielen macht. Na klasse! Er redet von “skrupellosen Herstellern”, die unsere Jugend “geistig vergiften”, und generalisiert, wer als Kind solche Spiele spiele, der sei hochgefährdet, und man wisse das ja schon längst. Da ist Carius in seiner Meinung nicht weit vom bayerischen Innenminister Beckstein entfernt, der dazu meint, Killer-Spiele sollten “in der Grö߸enordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt” (Quelle: tagesthemen.de).

Ich glaube es ist klar geworden, von welchem Beitrag ich mehr halte. Aber ganz abgesehen davon frage ich mich jetzt: Wieso machen zwei öffentlich-rechtliche Sender Fernsehbeiträge zu einem Thema, positionieren sich stark unterschiedlich und laden Experten ein, die die jeweiligen Grundthesen unterstützen? Meine Antwort darauf ist frei nach Logau: Allem Winde Segel geben!
Wer im Ersten einen contra-Beitrag zur “Killer”-Spiele-Debatte und im Zweiten einen pro-Beitrag dazu zeigt, der erzielt halt eine höhere Quote, weil er alle erreicht. Nur mit einer ernsthaften Debatte zu dem Thema hat das leider gar nichts zu tun…

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Killerspiele I

21. November 2006, 22:24

“Aber es stimmt auch, dass sowohl Robert Steinhäuser als auch Sebastian B. intensiv CounterStrike spielten” “Allerdings stimmt auch, dass sowohl Robert Steinhäuser, der im Erfurter Gutenberg-Gymnasium um sich schoss, als auch Sebastian B. wie besessen Counter-Strike spielten” (Zitat: Anne Will in den Tagesthemen heute)

Beide tranken auch Kaffee und haben Brot gegessen.

Und übrigens: Beide waren in einem Schützenverein. Warum verbietet man diese nicht?

(Nachtrag: Aufgrund fehlender Recherche ziehe ich die Aussage zurück, beide hätten Kaffee getrunken; Nachtrag 2: Ich habe den Stream noch einmal anschauen können und deswegen das Zitat leicht korrigiert)

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Treffsicherheit...

26. Oktober 2006, 10:36

... muss man bei diesem kleinen Werbespiel beweisen. Und keine nassen Füsse bekommen ;-)

Link:

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